NEIN.

Warum wir kein Feuerwerk wollen

Was eine einzige Silvesternacht für Haustiere, Wildtiere und die Natur bedeutet. Begleite die Nacht Stunde für Stunde und sieh, was bleibt, wenn der Rauch verzogen ist.

Kapitel 1

Eine Nacht, Stunde für Stunde

Scrolle durch den Jahreswechsel. Die Uhr läuft mit und zeigt, wie laut es gerade ist.

31. Dezember
18:00
Die ersten Böller
31. Dezember · 18:00 Uhr

Der Hund will nicht mehr raus

Schon am Nachmittag knallt es vereinzelt. Viele Hunde verweigern den Spaziergang, zittern an der Haustür oder ziehen panisch nach Hause. Wer jetzt ohne Leine läuft, riskiert, dass sein Hund sich losreißt. Katzen-Freigänger kommen nicht nach Hause und verkriechen sich irgendwo draußen.[10]

31. Dezember · 22:30 Uhr

Verstecken, hecheln, zittern

Rund jeder zweite Hund in Deutschland zeigt jetzt Stressreaktionen.[4] Kaninchen rasen durchs Gehege, Ziervögel flattern gegen Gitter. Im Wald und am Feldrand werden Rehe und Wildschweine unruhig. Sie sind Alltagslärm gewohnt, aber keine Explosionen.[16]

1. Januar · 00:00 Uhr

Der Himmel wird zur Gefahr

Kurz nach Mitternacht steigen in den Niederlanden Hunderttausende Vögel gleichzeitig auf, bis auf rund 500 Meter Höhe. In feiernden Regionen sind teils tausendfach mehr Vögel in der Luft als in normalen Nächten.[5] Sie fliegen blind durch Rauch und Blitze, gegen Fenster, Wände und Leitungen. Böller erreichen dabei Spitzenpegel von 145 bis über 160 Dezibel.[8]

1. Januar · 00:30 Uhr

Flucht ins Ungewisse

Wildgänse fliegen 40 bis 150 Meter höher und 5 bis 16 Kilometer weiter als in anderen Nächten, einzelne bis zu 500 Kilometer ohne Pause.[3] Igel schrecken aus dem Winterschlaf hoch und laufen umher. Rehe, Füchse, Hasen und Wildschweine flüchten.[17] In den Alpen sollen Gämsen sogar von Felsen stürzen, wenn an Hütten Feuerwerk gezündet wird.[15]

1. Januar · 09:00 Uhr

Die Luft ist so schlecht wie nie im Jahr

Am Neujahrstag ist die Feinstaubbelastung vielerorts so hoch wie an keinem anderen Tag. Nach Mitternacht werden stellenweise Stundenwerte von mehreren tausend Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen.[1] Auf Straßen, Wiesen und in Hecken liegen Raketenstäbe, Plastikkappen und Blindgänger. Vogelschwärme wirken verstört, sonst volle Rastplätze sind leer.[15]

Die zwölf Tage danach

Die Rechnung kommt später

Noch zwölf Tage nach Silvester fressen Wildgänse rund 10 Prozent länger und bewegen sich weniger, um die verlorene Energie auszugleichen. Bis zum Ende der Studie hatte sich ihr Verhalten nicht normalisiert.[3] Geschwächte Vögel können noch Tage später sterben, besonders bei Kälte und Schnee.[5] Ein Teil der Haustiere braucht eine Woche, manche brauchen Monate, um sich zu erholen.[4]

Im Frühling

Weniger Kraft für den Nachwuchs

Rehkitze bekommen ihre erste Milch im Mai aus den Fettreserven der Mutter. Wer im Winter durch Stress Reserven verbrennt, hat im Frühjahr weniger zu geben. Der Präsident der Deutschen Wildtier Stiftung warnt, dass das die Überlebenschancen der Jungtiere senken kann.[15] Silvester ist also nicht nach einer Nacht vorbei.

Tausendmal mehr Vögel
in der Luft als sonst.
Mitten in der Nacht, mitten im Winter
Kapitel 2

Was es für Haustiere bedeutet

Jedes Tier zeigt Angst anders. Wähle eine Tierart und sieh, woran du Stress erkennst und was hilft.

Hunde

Hunde hören bis etwa 40.000 Hertz, doppelt so hoch wie wir.[7] Rund die Hälfte reagiert mit Stress auf Feuerwerk.[4] Gewöhnung tritt selten ein, weil die Knalle unvorhersehbar sind. Oft wird die Angst mit jedem Jahr größer.

Daran erkennst du Angst

  • Zittern
  • Hecheln
  • Verstecken
  • Jaulen, Bellen
  • Speicheln
  • Unsauberkeit
  • Futter verweigern

Das hilft

  • Gassi nur bei Tageslicht und doppelt gesichert an Halsband und Geschirr.[10]
  • Rückzugsort mit Decke, Fenster und Rollläden zu, Radio an.[11]
  • Nicht allein lassen. Der Hund darf wählen, ob er Nähe sucht.[10]
  • Bei starker Angst frühzeitig mit der Tierarztpraxis sprechen.

Katzen

Katzen hören bis etwa 65.000 Hertz, mehr als dreimal so hoch wie wir.[7] Sie leiden meist still, deshalb wird ihre Angst oft unterschätzt.[4] Freigänger, die draußen in Panik geraten, verstecken sich an gefährlichen Orten oder laufen in den Verkehr.

Daran erkennst du Angst

  • Verkriechen
  • Angelegte Ohren
  • Weite Pupillen
  • Nicht fressen
  • Übermäßiges Putzen
  • Unsauberkeit

Das hilft

  • Freigänger rechtzeitig reinholen, Katzenklappe schließen.[10]
  • Erhöhte und geschützte Verstecke anbieten.
  • Nicht aus dem Versteck holen. Ruhe lassen.

Kaninchen, Meerschweinchen, Nager

Sie sind Beutetiere. Für sie bedeutet jeder Knall Lebensgefahr. In Panik rasen sie durchs Gehege und verletzen sich, andere erstarren. Bei Kaninchen kann extremer Stress lebensbedrohlich werden.

Daran erkennst du Angst

  • Erstarren
  • Panisches Rennen
  • Klopfen mit den Hinterläufen
  • Schnelle Atmung
  • Futter verweigern

Das hilft

  • Außengehege vor Silvester ins Haus oder in einen geschützten Raum holen.
  • Käfig teilweise abdecken und Häuschen als Versteck anbieten.[11]

Wellensittiche, Kanarien, Papageien

Blitze und Knalle lösen bei Ziervögeln Panikflüge aus. Im Käfig oder in der Voliere prallen sie gegen Gitter und Wände und können sich schwer verletzen.

Daran erkennst du Angst

  • Flattern
  • Gegen Gitter fliegen
  • Angelegtes Gefieder
  • Schreien
  • Stillsitzen am Boden

Das hilft

  • Außenvolieren ins Haus holen.
  • Raum abdunkeln, Käfig teilweise abdecken, gedämpftes Licht anlassen.

Pferde, Rinder, Schafe

Pferde sind Fluchttiere. Auf Koppeln und Weiden können sie in Panik Zäune durchbrechen und auf Straßen laufen. Die Bundestierärztekammer rät, Weidetiere vor Silvester in den Stall zu holen.[10]

Daran erkennst du Angst

  • Unruhiges Laufen
  • Steigen, Ausschlagen
  • Schwitzen
  • Weit aufgerissene Augen
  • Wiehern

Das hilft

  • Rechtzeitig aufstallen, Stall kontrollieren.
  • Nachbarn und Veranstalter frühzeitig informieren.[10]
  • Nach Silvester Weiden nach Feuerwerksresten absuchen.

Geflügel und Stalltiere

In Geflügelställen kann ein einziger Knall eine Massenpanik auslösen. Die Tiere drängen in eine Ecke und erdrücken sich gegenseitig. Die Bundestierärztekammer warnt, dass dabei viele Tiere sterben können.[10]

Daran erkennst du Angst

  • Zusammendrängen
  • Panisches Flattern
  • Lautes Rufen
  • Legeleistung sinkt

Das hilft

  • In der Nähe von Höfen und Ställen niemals Feuerwerk zünden.
  • Ställe abdunkeln und geschlossen halten.

Wie laut ist ein Böller?

Tippe auf eine Geräuschquelle und vergleiche. Die Werte sind übliche Richtwerte, der Böller-Wert stammt aus Messungen in zwei Metern Abstand.[8]

Wähle eine Geräuschquelle.

Tier in Not?

Entlaufener Hund, vermisste Katze, verletztes Wildtier oder ein Vogel, der nicht mehr fliegt: Alle Notfallkontakte, Tierärzte im Notdienst und konkrete Hilfe im Saarland findest du beim Tiernotruf Saarland e.V.

Zur Notfallhilfe →
tiernotrufsaarland.de/silvester
Kapitel 3

Was es für Wildtiere bedeutet

Wildtiere haben kein Zuhause mit Rollläden. Sie sind dem Lärm schutzlos ausgeliefert, und das mitten im Winter, wenn jede Kalorie zählt.

Zugvögel und Gänse

Arktische Gänse überwintern bei uns. In der Silvesternacht fliegen sie höher und weiter als sonst und verlieren im Schnitt rund zwei Stunden Nachtruhe.[3]

Bis zu 500 km nonstop in einer Nacht

Singvögel

Um Mitternacht schlafen sie. Der Knall schreckt sie auf, Rauch nimmt die Sicht. Wände und Fenster werden zur tödlichen Falle.[16] Wer Kälte und Hunger danach nicht übersteht, stirbt oft Tage später.

Fluchthöhen teils über 1.000 m statt unter 100 m[17]

Stadttauben

Tauben sind tagaktiv und fliegen nachts normalerweise nicht. Aufgeschreckt fliegen sie orientierungslos durch die Dunkelheit, prallen gegen Hindernisse und verlieren ihre Schlafplätze. Tierretter finden nach Silvester immer wieder verletzte Tauben.

Nachtflug ist für Tauben Ausnahmezustand

Igel

Igel überwintern in Laubhaufen, Hecken und Gartenecken, oft genau dort, wo gezündet wird. Werden sie aus dem Winterschlaf gerissen, verbrauchen sie Energie, die sie nicht ersetzen können.[17]

Aufwachen kostet Reserven bis zum Frühling

Fledermäuse

Auch Fledermäuse halten jetzt Winterschlaf. Lärm und Erschütterungen stören sie in ihren Quartieren. Jede Störung kostet Energie, die im Winter fehlt.[17][18]

Winterschlaf ist Überlebensstrategie

Rehe, Wildschweine, Füchse

Pflanzenfresser sind im Winter im Energiesparmodus. Panische Flucht verbrennt Reserven.[16] Flüchtende Tiere geraten auf Straßen. Bei Rehen fehlt die Kraft später für den Nachwuchs.[15]

Rehkitze trinken im Mai aus diesen Reserven

Dazu kommt, was liegen bleibt: Plastikkappen von Raketen können Magen und Darm verstopfen, scharfe Metallteile und Drähte reißen Wunden, die schlecht heilen.[16] Der Deutsche Tierschutzbund zählte für den Jahreswechsel 2022/23 bundesweit 212 tote und 17 verletzte Tiere in seiner Statistik, Haus- und Wildtiere zusammen.[18] Die Dunkelziffer liegt weit höher, denn die meisten Wildtiere sterben unbemerkt.

Sie haben keine Rollläden.
Nur den Winter.
Wildtiere sind dem Lärm schutzlos ausgeliefert
Kapitel 5

Was du tun kannst

Nicht jeder muss alles tun. Aber jeder Knall weniger zählt. Und es geht: Die Niederlande wollen privates Feuerwerk ab dem Jahreswechsel 2026/27 landesweit verbieten.[15]

01

Verzichten

Kein eigenes Feuerwerk kaufen. Das ist der wirksamste Beitrag, den jeder sofort leisten kann.

02

Abstand halten

Wenn doch gezündet wird: nie an Waldrändern, Feldern, in Parks oder an Gewässern. Fachleute raten zu baumfreien, befestigten Flächen.[17]

03

Aufräumen

Reste am Neujahrstag einsammeln, auch Plastikkappen und Drähte. So bleiben Tiere vor Verletzungen geschützt.[16]

04

Weitersagen

Familie, Freunde und Nachbarn informieren, die Aktion teilen und das Profilbild „Ich bin dabei“ nutzen.

Kapitel 6

Teste dein Wissen

Sechs Fragen zu allem, was du auf dieser Seite gelesen hast. Wie viel ist hängen geblieben?

Kapitel 7

Kampagnenbilder für Facebook

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Belege

Quellen

  1. Umweltbundesamt: Feinstaub durch Silvesterfeuerwerk
  2. Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft: Pressemitteilung Feuerwerk 2024
  3. Max-Planck-Gesellschaft: Feuerwerk beeinflusst Wildvögel langfristig (Kölzsch et al., Conservation Letters 2022)
  4. Mimikama: Faktencheck – Feuerwerk als Belastung für Haus- und Wildtiere
  5. Spektrum der Wissenschaft: Wenn Vögel tot vom Himmel fallen
  6. Schwäbische Zeitung: Importe auf Rekordniveau (Daten: Statistisches Bundesamt)
  7. zooplus Magazin: Das Katzengehör
  8. pressetext: Feuerwerkskörper – eine Gefahr für das Ohr
  9. aponet: Verkaufsverbot reduziert Augenverletzungen um 80 Prozent
  10. Bundestierärztekammer: Silvester – purer Stress für Tiere
  11. Presseportal: Tiere an Silvester – Hinweise für Tierhalter
  12. IHK: Verkauf von Feuerwerksartikeln
  13. Stadt Heilbronn: Übersicht Regelungen Pyrotechnik
  14. heidelberg24: Silvesternacht 2025/26 – Bilanz
  15. hessenschau: Tierschützer fordern Verzicht auf Silvesterfeuerwerk (NABU Hessen, Deutsche Wildtier Stiftung)
  16. Presseportal: Wildtierfreundliches Silvester (Deutscher Jagdverband)
  17. ÖKO-TEST/dpa: Laute und helle Silvesternacht stört Wildtiere
  18. Schwäbische Zeitung: Mehr als 200 tote Tiere nach Silvester (Statistik Deutscher Tierschutzbund 2022/23)
  19. ScienceDaily: Fireworks cause environmental pollution (Perchlorat-Studie, Oklahoma)
  20. Berliner Zeitung: Experten über schlimme Folgen von Silvester für Tiere (Dr. Kathrin Herrmann, Derk Ehlert, NABU)
  21. DocCheck: Silvester ohne Böller – Wildtiere freut's (Deutsche Wildtier Stiftung, Eichhörnchen-Nothilfe)
  22. Breed et al.: Understanding capture myopathy (Conservation Physiology, 2019)