Zugvögel und Gänse
Arktische Gänse überwintern bei uns. In der Silvesternacht fliegen sie höher und weiter als sonst und verlieren im Schnitt rund zwei Stunden Nachtruhe.[3]
Was eine einzige Silvesternacht für Haustiere, Wildtiere und die Natur bedeutet. Begleite die Nacht Stunde für Stunde und sieh, was bleibt, wenn der Rauch verzogen ist.
Scrolle durch den Jahreswechsel. Die Uhr läuft mit und zeigt, wie laut es gerade ist.
Schon am Nachmittag knallt es vereinzelt. Viele Hunde verweigern den Spaziergang, zittern an der Haustür oder ziehen panisch nach Hause. Wer jetzt ohne Leine läuft, riskiert, dass sein Hund sich losreißt. Katzen-Freigänger kommen nicht nach Hause und verkriechen sich irgendwo draußen.[10]
Rund jeder zweite Hund in Deutschland zeigt jetzt Stressreaktionen.[4] Kaninchen rasen durchs Gehege, Ziervögel flattern gegen Gitter. Im Wald und am Feldrand werden Rehe und Wildschweine unruhig. Sie sind Alltagslärm gewohnt, aber keine Explosionen.[16]
Kurz nach Mitternacht steigen in den Niederlanden Hunderttausende Vögel gleichzeitig auf, bis auf rund 500 Meter Höhe. In feiernden Regionen sind teils tausendfach mehr Vögel in der Luft als in normalen Nächten.[5] Sie fliegen blind durch Rauch und Blitze, gegen Fenster, Wände und Leitungen. Böller erreichen dabei Spitzenpegel von 145 bis über 160 Dezibel.[8]
Wildgänse fliegen 40 bis 150 Meter höher und 5 bis 16 Kilometer weiter als in anderen Nächten, einzelne bis zu 500 Kilometer ohne Pause.[3] Igel schrecken aus dem Winterschlaf hoch und laufen umher. Rehe, Füchse, Hasen und Wildschweine flüchten.[17] In den Alpen sollen Gämsen sogar von Felsen stürzen, wenn an Hütten Feuerwerk gezündet wird.[15]
Am Neujahrstag ist die Feinstaubbelastung vielerorts so hoch wie an keinem anderen Tag. Nach Mitternacht werden stellenweise Stundenwerte von mehreren tausend Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen.[1] Auf Straßen, Wiesen und in Hecken liegen Raketenstäbe, Plastikkappen und Blindgänger. Vogelschwärme wirken verstört, sonst volle Rastplätze sind leer.[15]
Noch zwölf Tage nach Silvester fressen Wildgänse rund 10 Prozent länger und bewegen sich weniger, um die verlorene Energie auszugleichen. Bis zum Ende der Studie hatte sich ihr Verhalten nicht normalisiert.[3] Geschwächte Vögel können noch Tage später sterben, besonders bei Kälte und Schnee.[5] Ein Teil der Haustiere braucht eine Woche, manche brauchen Monate, um sich zu erholen.[4]
Rehkitze bekommen ihre erste Milch im Mai aus den Fettreserven der Mutter. Wer im Winter durch Stress Reserven verbrennt, hat im Frühjahr weniger zu geben. Der Präsident der Deutschen Wildtier Stiftung warnt, dass das die Überlebenschancen der Jungtiere senken kann.[15] Silvester ist also nicht nach einer Nacht vorbei.
Tausendmal mehr Vögel
in der Luft als sonst.
Jedes Tier zeigt Angst anders. Wähle eine Tierart und sieh, woran du Stress erkennst und was hilft.
Hunde hören bis etwa 40.000 Hertz, doppelt so hoch wie wir.[7] Rund die Hälfte reagiert mit Stress auf Feuerwerk.[4] Gewöhnung tritt selten ein, weil die Knalle unvorhersehbar sind. Oft wird die Angst mit jedem Jahr größer.
Katzen hören bis etwa 65.000 Hertz, mehr als dreimal so hoch wie wir.[7] Sie leiden meist still, deshalb wird ihre Angst oft unterschätzt.[4] Freigänger, die draußen in Panik geraten, verstecken sich an gefährlichen Orten oder laufen in den Verkehr.
Sie sind Beutetiere. Für sie bedeutet jeder Knall Lebensgefahr. In Panik rasen sie durchs Gehege und verletzen sich, andere erstarren. Bei Kaninchen kann extremer Stress lebensbedrohlich werden.
Blitze und Knalle lösen bei Ziervögeln Panikflüge aus. Im Käfig oder in der Voliere prallen sie gegen Gitter und Wände und können sich schwer verletzen.
Pferde sind Fluchttiere. Auf Koppeln und Weiden können sie in Panik Zäune durchbrechen und auf Straßen laufen. Die Bundestierärztekammer rät, Weidetiere vor Silvester in den Stall zu holen.[10]
In Geflügelställen kann ein einziger Knall eine Massenpanik auslösen. Die Tiere drängen in eine Ecke und erdrücken sich gegenseitig. Die Bundestierärztekammer warnt, dass dabei viele Tiere sterben können.[10]
Tippe auf eine Geräuschquelle und vergleiche. Die Werte sind übliche Richtwerte, der Böller-Wert stammt aus Messungen in zwei Metern Abstand.[8]
Wähle eine Geräuschquelle.
Entlaufener Hund, vermisste Katze, verletztes Wildtier oder ein Vogel, der nicht mehr fliegt: Alle Notfallkontakte, Tierärzte im Notdienst und konkrete Hilfe im Saarland findest du beim Tiernotruf Saarland e.V.
Wildtiere haben kein Zuhause mit Rollläden. Sie sind dem Lärm schutzlos ausgeliefert, und das mitten im Winter, wenn jede Kalorie zählt.
Arktische Gänse überwintern bei uns. In der Silvesternacht fliegen sie höher und weiter als sonst und verlieren im Schnitt rund zwei Stunden Nachtruhe.[3]
Um Mitternacht schlafen sie. Der Knall schreckt sie auf, Rauch nimmt die Sicht. Wände und Fenster werden zur tödlichen Falle.[16] Wer Kälte und Hunger danach nicht übersteht, stirbt oft Tage später.
Tauben sind tagaktiv und fliegen nachts normalerweise nicht. Aufgeschreckt fliegen sie orientierungslos durch die Dunkelheit, prallen gegen Hindernisse und verlieren ihre Schlafplätze. Tierretter finden nach Silvester immer wieder verletzte Tauben.
Igel überwintern in Laubhaufen, Hecken und Gartenecken, oft genau dort, wo gezündet wird. Werden sie aus dem Winterschlaf gerissen, verbrauchen sie Energie, die sie nicht ersetzen können.[17]
Dazu kommt, was liegen bleibt: Plastikkappen von Raketen können Magen und Darm verstopfen, scharfe Metallteile und Drähte reißen Wunden, die schlecht heilen.[16] Der Deutsche Tierschutzbund zählte für den Jahreswechsel 2022/23 bundesweit 212 tote und 17 verletzte Tiere in seiner Statistik, Haus- und Wildtiere zusammen.[18] Die Dunkelziffer liegt weit höher, denn die meisten Wildtiere sterben unbemerkt.
Sie haben keine Rollläden.
Nur den Winter.
Nicht jeder muss alles tun. Aber jeder Knall weniger zählt. Und es geht: Die Niederlande wollen privates Feuerwerk ab dem Jahreswechsel 2026/27 landesweit verbieten.[15]
Kein eigenes Feuerwerk kaufen. Das ist der wirksamste Beitrag, den jeder sofort leisten kann.
Wenn doch gezündet wird: nie an Waldrändern, Feldern, in Parks oder an Gewässern. Fachleute raten zu baumfreien, befestigten Flächen.[17]
Reste am Neujahrstag einsammeln, auch Plastikkappen und Drähte. So bleiben Tiere vor Verletzungen geschützt.[16]
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